Die erhoffte Lösung

Es war der 25.11.2013, der Montag nach der Operation. Endlich. Die Anspannung, das Zweifeln und vor allem die Schmerzen sollten nun endlich ein Ende haben. Ich erzähle den Ärzten bei der Visite, was ich habe und alles wird gut. Dachte und hoffte ich.

Ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre. Ich hatte schlecht geschlafen weil mich die Schmerzen in der Nacht extrem gequält hatten. Meine Augenringe waren so ausgeprägt dass man leicht hätte denken können, ich hatte eine heftige Schlägerei mit dem verdammten Sandmännchen.

Also, da lag ich. Bei jedem Klopfen oder lautem Schritt vor der Tür hatte ich die Hoffnung dass die Erlösung, in Form des leibhaftigen Oberarztes, durch die Tür kommt und mich von den Schmerzen erlöst.

Gerade an diesem Tag, haben sie sich Zeit gelassen. Zeit was ich Ihnen eigentlich nicht mehr geben konnte und wollte. Ich klingelte von 07:00 bis 09:30 Uhr ca. 5-6 Mal und fragte nach wann es denn nun endlich soweit sei. Ihr könnt Euch vorstellen, die Diensthabenden Schwestern waren allesamt nicht begeistert. Eine Schwester drohte sogar, mit einem gequälten Lächeln im Gesicht, mich mit dem besabberten Kissen des 73-jährigen Bettnachbarn zu ersticken.

Ich gab irgendwann, ehrlicherweise auch ein wenig aus Angst vor Schwester Elfriede MacGyver Norris, dann Ruhe. Es brachte nichts weiter zu nerven oder mich unbeliebt zu machen. Ich hatte das gesamte Wochenende durchgestanden, also konnte ich auch noch ein wenig warten bis die Visite da ist.

Um kurz vor 10:30 Uhr war es dann soweit. Sieben Ärzte des Tumorteams der Uniklinik Bonn betraten das Zimmer und gingen schnurstracks auf meinem Bett zu. Die Nervosität stieg und ich hatte für einen Augenblick alles vergessen was ich mir das gesamte Wochenende vorgenommen hatte zu fragen.

Die Ärzte unterhielten sich dann erstmal eine Weile vor meinem Bett über mich und informierten den Oberarzt was genau gemacht wurde. Ich konnte nur Bruchstücke aus dem besprochenen Medizin-Kauderwelsch rausfiltern. Irgendwas mit „…über 4cm…“, „…zu sehr verwachsen…“ und „…nur 90% wurden entfernt…“.

Irgendwann wurde mir das zuviel und ich habe etwas lauter gefragt ob jemand schon bemerkt habe dass ich da liege und auch Fragen und Schmerzen habe und ÜBERHAUPT…. ICH BIN IM RAUM ANWESEND!!!…

Der Oberarzt entschuldigte sich und fing dann an mich in etwa so aufzuklären:

Herr Da Cruz, es ist gut dass Sie nach der MRT-Untersuchung so schnell den Weg zu uns finden konnten. Bei Ihnen wurde ein Weichteiltumor an der Wade entfernt. Ursprünglich war angedacht eine sogenannte Biopsie des Tumors zu machen um dann zu entscheiden wie genau später vorgegangen werden soll. Die Operateure konnten aber nach dem Öffnen, den Tumor gut erkennen und isolieren, deshalb haben sie sich kurzfristig während der Operation entschlossen so viel zu entfernen wie möglich.

Leider konnten sie aber nur ca. 90% rausoperieren da die restlichen 10% zu sehr mit Muskelmasse, Sehnen, etc. verwachsen war. Hätten Sie alles entfernt, hätten sie größere Schäden hinterlassen müssen und da wir noch nicht wissen um welche Art von Tumor es sich handelt, bleiben die genannten 10% bis zu dem Eintreffen der Pathologieergebnisse, auch erstmal drin. Die Pathologie wird sozusagen entscheiden wie wir weiter vorgehen müssen.

Ich dachte nur, Ok… Wenn sie schon soviel entfernen konnten, warum nicht!? So ist das Ding fast komplett aus dem Bein raus und ich muss evtl. später, wenn die Ergebnisse da sind, nicht so eine große Operation erneut über mich ergehen lassen.

Dann fragte ich einfach alles was mir in den Sinn kam. Ich habe heftige Elektroschocks am Außenrand des Fußes und die Hälfte des Fußes sei taub. Die Wade sei noch Ok, die Krämpfe seien wahrscheinlich normal da auch Muskelmasse mit entfernt werden musste. Aber der Fuß, der machte mir Sorgen. Was genau wurde am Fuß gemacht dass ich den teilweise auch gar nicht spüre? Warum macht er mir jetzt die meisten Probleme??

Dann klärte mich ein Arzt der anscheinend bei der Operation mit anwesend war auf:

Herr Da Cruz, soweit wir das einschätzen können handelt es sich um ein sogenannten Nerventumor der aus einem Nerv rausgewachsen ist, der im Fuß – genauer gesagt – am Außenrand des Fußes endet. Genau die Stelle die auch Taub ist. Es kann jetzt natürlich sein dass dadurch dass wir den Tumor entfernt haben, der Nerv etwas lädiert wurde.

Es sei völlig normal und ich solle mir keine großen Sorgen machen. Man würde die Medikation entsprechend anpassen und dann sollte es nach einer gewissen Zeit auch wieder gut sein.

Gut, dachte ich. Es hört sich alles ziemlich plausibel an und die werden schon wissen was sie machen. Eigentlich hätte ich, wie bei den Vorgesprächen mehrmals mitgeteilt, 3-4 Tage nach der Operation anfangen können den Fuß wieder zu belasten. Aber, mal abwarten was die Zeit bringt.

Mit der ganzen Problematik rund um den Fuß, hatte ich sogar fast vergessen die wichtigste aller Fragen zu stellen. Konnten sie denn schon eine Tendenz sagen ob der Tumor gut- oder bösartig sei?!

Ich spürte dass die Frage zögerlich verneint wurde. Man konnte und man mochte auch keine weiteren Angaben machen solange die Pathologieergebnisse noch nicht da sind. Diese sollten aber innerhalb von ca. 7-10 Tagen da sein und dann würden wir weitersehen.

Diese Ungewissheit und das Warten klangen in erster Linie zwar hart aber ich konnte es nachvollziehen. Denn, welcher Arzt will aufgrund einer groben ersten Untersuchung im Operationssaal, eine solche Aussage treffen?

Es hieß also für mich, Abwarten. Das Beste draus machen und versuchen die Nerven nicht zu verlieren.

Ich möchte dem nächsten Artikel nicht allzusehr vorgreifen aber eins kann ich euch jetzt schon sagen… Meine und die Nerven meiner Familie wurden, bis die Pathologieergebnisse da waren, SEHR auf die Probe gestellt.