Fuck facebook, Google und Apple

Die ersten Tage nach der Operation waren sehr „anstrengend“. Die Schmerzen wurden schlimmer und es gab irgendwie nichts was mich hätte erleichtern können. Alle Medikamente die mir verordnet wurden, wirkten nicht.

Ohne Vorwarnung bekam ich im Minutentakt, starke Elektroschocks im Fuß und in der Wade. Mir standen, als erwachsener Mann und Vater von Kindern, etliche Male vor meinen Kindern die Tränen in den Augen. Und Ihr könnt mir glauben wenn ich sage dass „Weinen“ bis zu diesem Zeitpunkt für mich eigentlich ein Fremdwort war. Ich habe in meinem Leben schon etliche Operationen und Unfälle erlebt die heftig waren aber solche Schmerzen wie nach der OP an der Wade?! Noch nie im Leben. Nie und nimmer.

Was Schmerzen mit einem Menschen machen können, das habe ich mir bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht vorstellen können. Ich hab immer gedacht alles ist auszuhalten. Mein verdammter Tumor sollte mich eines besseren belehren, nämlich dass Schmerzen einen Menschen brechen können.

Mit jedem vergangenen Tag, verzweifelte ich mehr und mehr. Meine Psyche hätte ich zu der Zeit, jederzeit gegen eine Packung Zigaretten eingetauscht. Die Warterei auf die Ergebnisse der Pathologie, hat auch nicht wirklich geholfen etwas Positives zu sehen oder Licht am Ende des Tunnels erahnen lassen. Die Ungewissheit was im eigenen Körper heranwächst und wie man diese verdammten Schmerzen in den Griff bekommt, haben mir sehr viel Kraft gekostet.

Was mir viel Halt gegeben hat und auch heute immer noch gibt, ist die unglaubliche Unterstützung meiner Familie und da fühle ich mich äußerst gesegnet, die Unterstützung meiner Arbeitskollegen. Ja, Ihr habt richtig gelesen und verstanden; meine Arbeitskollegen.

Unbedingt möchte ich auch meine Arbeitskollegen hier erwähnen. Mittlerweile bin ich seit 16 Monaten krank und ein genaues Ende ist noch nicht in Sicht (mehr in künftigen Beiträgen), nichtsdestotrotz stehen sie jetzt und bei allem was davor war, ausnahmslos weiterhin wie eine massive Betonwand hinter mir und unterstützen mich bei jeder Entscheidung die ich treffe. Etliche Male in den letzten Monaten habe ich den Tränen nahe angerufen und verzweifelt mitgeteilt dass die langersehnte Genesung wieder einen massiven Rückschlag erlitten hat, trotzdem haben sie mir zu JEDEM Zeitpunkt dieser Seuche, die Gewissheit gegeben dass ich mir um meinen Job (den ich übrigens liebe) keine Sorgen machen brauche. In erster Linie stehe ich und erst wenn alles mit mir und meiner Familie geregelt ist, soll ich mir Gedanken um die Arbeit machen.

Jetzt frage ich euch, wo bitte gibt es so etwas noch heutzutage?? Genau, nirgends.

Deshalb bin ich äußerst dankbar und gesegnet in einer solchen Firma arbeiten zu dürfen wo die Mitarbeiter nicht einfach „Mitarbeiter“ sind, sondern Freunde.

Kurz bevor mich diese Krankheit getroffen hat, hatte ich eine Phase wo ich wegen der Familie gerne mit der Arbeitsstelle wieder in Richtung Bonn gezogen wäre. Immerhin habe ich täglich mit Auto, Zug, U-Bahn und zu Fuß, ca. 3 Stunden An- und Abfahrt ins Büro. Als Familienvater ist das nicht zu unterschätzen und man braucht eine gut funktionierende und eingespielte Familie um diesen Streß bewerkstelligen zu können. Seitdem ich dort arbeite, konnte ich das allerdings immer sehr gut kombinieren, trotzdem hat mich irgendwann diese Fahrerei genervt und ich war knapp davor zu wechseln. Danke noch mal an Björn für die etlichen Gespräche diesbezüglich denn im Grunde hast du mich mit überzeugt doch zu bleiben.

Heute bin ich froh diesen Schritt nicht gegangen zu sein. Ich weiß nämlich genau ich hätte nie solche Kollegen getroffen und Freunde gewonnen, wie ich sie in Köln habe und ich müsste mir heute, zusätzlich zu der Krankheit, mit Sicherheit Gedanken um meine Arbeitsstelle machen.

Von daher sage ich: Fuck facebook, Google und Apple! SUPR is the place to be!

Deshalb möchte ich jedem Einzelnen DANKE sagen. Danke dass Ihr für mich da wart, immer noch seid und bisher alle meine Wehwehchen begleitet und mit mir gelitten habt. Ohne euch wäre alles für meine Familie und mich um einiges schwieriger. Das weiß ich aus tiefstem Herzen sehr zu schätzen.

Mein DANKE geht an:

PK
Björn
Karina
Peter
Aron
Aline
Kassandra
Christiane
John-Paddy
Miro
Naomi
Cora
Chris T. Ahn
Matthias
Carlo

Aber jetzt, genug geschleimt. Zurück zum Hauptthema.

Irgendwann kam ein Arzt aus dem umfangreichen Tumorteam der Uniklinik Bonn auf die glorreiche Idee mir Lyrica (Pregabalin) zu verschreiben. Verdammt ja! Endlich hatte einer mal wortwörtlich – aufgepasst Wortspiel – den Nerv getroffen! Die Tabletten wirkten wunder und es hat zwar lange gedauert bis es richtig dosiert war aber der Schmerzlevel konnte im Laufe der zeit definitiv reduziert werden. In Kombination erhielt ich noch Tilidin (Opioide) und alles war einigermaßen erträglich. Für die Psyche verschrieben sie mir noch Citalopram und die Sache war endlich auf dem Weg der Besserung.

Der Kopf war halbwegs wieder im Griff, die Schmerzen waren zwar immer noch anstrengend aber die Dosierung lief und es war Besserung in Sicht. Es fehlte nur noch eine Sache. Die Ergebnisse der Pathologie. Und darauf, darauf musste ich ganz unerwartet sehr lange warten.